17.10.2008 04:59
México/Puebla – oder wie Sarita in die Welt hinausging
Erstmal ein grosses „Entschuldigung“ dafür, dass ich meinen tollen Blog (danke, Stephan!) bisher so vernachlässigt habe. Liegt aber hauptsächlich an der wirklich schlechten Internetverbindung, man merkt eben, dass ich in México bin...
So, nun zum Wichtigsten – mir geht´s gut!
Die drei Wochen, die ich nun schon hier bin, kommen mir einerseits seeeehr lang und andererseits unglaublich kurz vor.
Ich versuche mich nu mal an einer Zusammenfassung, ich hoffe, sie wird nicht zu lang ;-)
Nach meiner 23-Stunden-Reise über Frankfurt, México-City, Puebla und schliesslich mein kleines Cholula (nur etwa 250.000 Einwohner) war ich erstmal im Quasi-Koma und sehr froh, dass ich einfach nur schlafen konnte.
Viel mit Ausruhen war aber nicht, denn am nächsten Tag war mein Arbeitsbeginn. 1000 neue Namen, dies und das – war anstrengend, aber hochinteressant!
Zwei Tage später bin ich mit Freunden nach vier Tage nach Acapulco gefahren, um dort den Unabhängigkeitstag zu verbringen. Aca – das ist DIE Partystadt Mexikos... Tja, davon habe ich nicht so viel mitbekommen, denn die liebe Sara hat etwa 15 Stunden am Tag geschlafen! Sogar im unglaublich teuren „Beachclub“ hab ich gepennt, Megaparty mit schlechter Musik und Cocktails im Pool.
Deshalb hab ich auch vom angeblich so tollen Feuerwerk am 15. September, Mexikos Unabhängigkeitstag, nichts mitbekommen.
Wieder zurück aus Acapulco bin ich erstmal krank geworden, alles mögliche auf einmal 
Dank eines tollen, deutsch sprechenden Werksarztes aber kein Problem!
Achja, a propos Sprachen, mein Spanisch ist eine etwas deprimierende Angelegenheit. Mir geht alles zu langsam, ich würde so gern sprechen können. Verstehen tu ich zum Glück vieles.
Mein Spanischunterricht ist etwas suboptimal, denn ich bin im Anfängerkurs und heillos unterfordert, was aber nicht heisst, dass ich schon soviel kann – Grammatik ist nicht das Problem, mein Vokabular...! Die Sache ist eben, dass so gut wie alle Meetings („Juntas“) auf Spanisch sind. Das meiste verstehe ich dann schon, aber kann eben nur auf Englisch/Deutsch was einwerfen.
Ansonsten – meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich – meistens. Dank des akuten Sprachproblems bin ich ab und an unterbeschäftigt, habe dafür aber einen tollen Chef. Was ich weniger toll finde, sind meine Arbeitszeiten: 8-17 Uhr, eine Stunde Mittagspause. Seeeehr ungewohnt für verwöhnte Abiturienten! Ausserdem ist der Tag dann eindeutig zu kurz.
Ach übrigens, ich bin in der Abteilung Kommunikation Bereich Produktion und Logistik, was bedeutet, dass wir unter anderem Events wie eine Sportwoche und einen Weihnachtsmarkt organisieren. Kommunikation ist toll, man kommt viel herum, kein Tag ist gleich.
Noch zu meinem Arbeitgeber: Volkswagen de México hat etwa 15.000 Mitarbeiter, dazu kommen noch etwa 50.000 Zulieferer rund ums Werk („Planta“). Hier werden unter anderem der Jetta bzw Bora und der New Beetle produziert.
Von der Planta zu „nach Hause“ sind es etwa 15-20 Minuten, abhängig von Verkehr und Fahrstil. Jaha, die mexikanische Fahrweise ist dezent . . . unterschiedlich von der bei uns. Rechts überholen? Nicht blinken? Nie nett sein und jemanden reinlassen? NORMAL! Dazu kommen wirklich tiefe Schlaglöcher und sogenannte Toppen, äh, solche
Diese tauchen immer dann (und sehr oft!) auf, wenn man nicht damit rechnet, sodass das Fahren praktisch aus Vollgas-Vollbremsung besteht. So langsam gewöhne ich mich daran, aber es ist sehr, sehr anstrengend und ich brauche viel Nervennahrung.
Womit ich beim nächsten Punkt bin – Essen 
Tacos, Quesadillas, Mole Poblano, Chile en Nogada,... Die Liste liesse sich endlos fortsetzen. Bisher hat mir alles gut geschmeckt, vieles eben seeeeehr scharf. Allerdings war ich etwas verdutzt, Würmer, Gehirn, Augen, Knorpel und ähnliches auf der Speisekarte zu finden.
Noch n paar Dinge, an die ich mich erst gewöhnen muss: normale Milch hat hier 7-10 Prozent Fett. Noch viel schlimmer, alles ist gezuckert! Ihr kennt mich, ich hab sicher nix gegen Süsses, aber irgendwann wirds zuviel...
Mittags hat man in der Planta die Qual der Wahl, drei Kantinen für je 4 Pesos (etwa 35 Cent), Werksrestaurant für 50 Pesos mit Salatbuffet, Suppe, Nachtisch, Kaffee und Hauptgang, italienisches Restaurant, Tacos und frisches Obst vor der Planta oder Fressmeile im nahen Outlet...
Was ist noch interessant? Achja, meine WG 
Bin in einer Riesen-WG, momentan insgesamt sieben Praktikanten, ein Festangestellter und ein Lehrer, jeder hat ein Zimmer mit eigenem Bad und separatem Eingang.
Ist ne perfekte Mischung, wenn ich Lust auf Leute habe, gehe ich in die Küche, irgendwen trifft man immer an. Ansonsten habe ich meine Ruhe – allerdings ist der Tag hier so kurz und vollgeplant, dass nich viel Zeit für Nixtun is 
Nach der Planta muss ich schnell in die Wäscherei/Reinigung, Einkaufen, ins Fitness oder ins riesige VW-Sportzentrum, später was trinken oder essen gehn,...
Am Wochenende sind dann Ausflüge in die grosse weite Welt dran.
Autor

Mensch Sara, sag blos du bist in Mexico gewandert ??! Respäääkt! Dachte, du würdest... » weiter
Sieht echt wunderschön aus! » weiter